Kleine Auszeit - Lesevergnügen für eine Kaffeepause - Thema Was macht glücklich?

Was Menschen glücklich macht

Was ist das eigentlich, Glück? Materielle Sorglosigkeit? Es heißt ja, Geld allein mache nicht glücklich. Geld an sich macht aber wohl auch nicht automatisch unglücklich. Es kann Wege öffnen, es kann Dinge möglich machen, die vorher unmöglich waren. Geld beruhigt. Aber Angst zu haben, es wieder verlieren zu können, macht eher nicht glücklich. Oft ist es ja gar nicht das Geld, um das es geht, sondern um den Status, die Anerkennung, die Wertschätzung, alles, was mit Reichtum verbunden wird. Ein Idiot mit Geld allerdings bleibt ein Idiot, wenn auch ein Idiot mit Möglichkeiten. Wann also macht Geld glücklich? Eine Studie der Uni Princeton hat ergeben, dass es eine Grenze gibt, die bei ziemlich genau 60.000 Euro Jahreseinkommen liegt. Bis dahin steigt mit dem Geld das gute Gefühl. Wer mehr verdient, fühlt sich aber nicht automatisch glücklicher. Allerdings gilt für Geld wie auch für andere materielle Dinge, für Ehre, Anerkennung und Glück: Alles ist relativ. Hat der Nachbar mehr als man selbst, ist man eher unzufrieden. Was man selbst hat, wird relativ klein, wenn der andere über eine größere Menge davon verfügt – auch wenn das Quantum an Geld, Besitz und Ruhm einem eigentlich ausreicht.

Der Mensch ist so gestrickt, dass er lieber geschätzt als verachtet wird. Es tut ihm gut, wenn seine Leistungen anerkannt werden, auch wenn er sagt, das sei ihm egal. Gehört zu werden, gesehen zu werden, das treibt viele Menschen an, zum Beispiel ihre Kunst nicht im stillen Kämmerlein, sondern in der Öffentlichkeit auszuüben. Gefragt zu sein und gefragt zu werden macht glücklich. Etwas erreicht zu haben, gebraucht und angenommen zu werden, selbstbestimmt zu leben, all das kann zumindest dazu beitragen, nicht unglücklich zu sein. Allerdings ist bekanntlich nichts von Dauer und auch Glück ist darum niemals Dauerzustand. Glücklich zu sein gleicht einem Pendelausschlag nach oben, so wie es Ausschläge nach unten gibt. Dabei kann das Pendel in Ruhelage durchaus auf hohem Niveau liegen und Sie im Allgemeinen also relativ glücklich durchs Leben gehen. Wenn Glück und Zufriedenheit für Sie so ziemlich deckungsgleich sind – man nennt das das kognitive Wohlbefinden – und Sie insgesamt eigentlich ganz zufrieden mit Ihrem Leben sind, dann sind Sie auch relativ glücklich.

Manche Ratgeber versuchen, menschliche Gefühle auf Abläufe im Körper herunterzubrechen. Der Nachweis wird anhand von Aminosäuren und Botenstoffen, Synapsen und Dopaminausstößen geführt. Lässt sich Glück auf biochemische Prozesse im Körper reduzieren, auf reine Fakten? Sprechen Sie mit einem Fußballfan über das Wesen des Fußballs. Wird er Ihnen sagen, es gehe dabei um 22 Männer in kurzen Hosen, die einem Ball nachjagen? So sieht es mit den Augen des Wissenschaftlers aus, und doch ist Fußball etwas ganz anderes. Genauso könnten Sie ein Gemälde eines alten Meisters sachlich völlig zutreffend auf Leinwand, Holz, Farbe und ein paar Nägel reduzieren. Mehr ist es so gesehen nicht. Aber haben Sie damit das Wesen der Kunst erfasst?

Vermutlich ist kaum etwas persönlicher und individueller als das eigene Glück und die Suche danach. Manche, die sich mit Glück beschäftigen, gehen grob gesagt davon aus, dass es vor allem darauf ankomme, wie man eine Situation wahrnimmt. Nach dem Motto: Lassen Sie negativen Gefühlen keinen Raum, kultivieren Sie stattdessen die guten Gefühle, und so weiter. Jemandem, der gerade einen Schicksalsschlag erlebt hat oder an Depressionen leidet, müssen solche Ratschläge wie Hohn vorkommen. „Das Glück trainieren“, wie es manchmal heißt, funktioniert nicht. Sie können sich allerdings positive Gefühle verschaffen, indem Sie sich ganz normale menschliche Verhaltensweisen wieder bewusst machen. Dazu gehören Freundlichkeit und Optimismus, Humor und Neugier, an andere zu denken und dankbar zu sein, wenn andere an Sie denken. Vielleicht versuchen Sie mal wieder, spielerisch an eine Sache heranzugehen – Neugier ist der Schlüssel für vieles. Kinder spielen mit allem, was sie in die Finger bekommen. Das ist kein schlichter Zeitvertreib, sondern hilft dabei, die Welt zu verstehen und einzuordnen. Tun Sie das, was Sie tun mit Leidenschaft. Suchen Sie „den Sinn“ nicht bei anderen. Die Dinge in Ihrem Leben haben den Sinn, den Sie Ihnen geben. Lamentieren Sie nicht von alten Zeiten; kleben Sie nicht an dem, was früher gut war.

Wenn Zeit für Sie Glück ist, verschaffen Sie sich Zeit, für die Dinge, die Ihnen Freude machen. Das heißt: Stellen Sie Dinge, die nur Ihre Zeit fressen, ab und verbringen Sie die so gewonnene Zeit stattdessen mit Menschen, die Ihnen etwas bedeuten – solchen aus Fleisch und Blut, und nicht virtuellen „Freunden“ in Netzwerken. Füllen Sie diese Zeit aus mit Tätigkeiten, die Sie erfüllen, zum Beispiel mit Musik, mit Sport, oder damit, karierte Kissen zu sammeln, Schrauben zu sortieren oder was auch immer Sie sonst noch glücklich und niemanden anderen unglücklich macht. Und hören Sie vor allem damit auf, über das Glück und wie Sie es finden allzu viel nachzudenken.

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